NABU-Pressemitteilung 11.10.2026



Umwelt/Flüsse
Der Stör soll wieder in der Oder schwimmen
NABU unterstützt Wiederansiedlung des Urzeitfisches / 3.000 junge Störe ausgesetzt

Berlin/Angermünde – Seit mehr als einem Jahrhundert ist er ausgestorben – künftig soll der Baltische Stör wieder in Deutschland leben. Der NABU unterstützt gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) dank eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts in Höhe von rund 437.000 Euro die Wiederansiedlung des Urzeitfisches. Heute wurden 3.000 junge Störe in der Oder ausgesetzt.

Die Jungtiere wurden in der Teichwirtschaft des NABU-Naturerlebniszentrums Blumberger Mühle vom Fischereibetrieb Klaus-Peter Gensch herangezogen und sollen – wenn es gut läuft – später in der Oder laichen und so selbst für Nachwuchs sorgen. „Die Wiederansiedlung der Störe soll die ursprüngliche Artenvielfalt der Oder und ihrer Zuflüsse regenerieren und stärken“, sagt Christiane Röttger, die das Stör-Projekt beim NABU leitet. „Wir hoffen, dass möglichst viele unserer Jungstöre es schaffen, erwachsen zu werden.“

Im deutsch-polnischen Grenzgebiet werden seit 2006 regelmäßig Störe in der Oder ausgesetzt. Die Jungfische wachsen über einige Jahre heran, bis sie in die Ostsee abwandern. Zum Laichen schwimmen sie dann nach 15 bis 20 Jahren aus dem Meer zurück flussaufwärts in die Laichgründe in die Niederungen von Oder. „Das schaffen bisher leider nur sehr wenige Exemplare“, so Jörn Gessner (IGB). „Die ausgewilderten Jungfische sind erst mit zehn bis 15 Jahren geschlechtsreif. Sie müssen also länger als ein Jahrzehnt überleben, bis sie sich das erste Mal fortpflanzen können. Der Zustand der Oder ist dann das nächste Hindernis auf dem Weg zu einem sich selbst erhaltenden Bestand.“ Der Fluss wird stellenweise für die Binnenschifffahrt ausgebaut. Dadurch werden Kiesbänke, die die Störe zwingend als Laichplätze benötigen, verloren gehen. Auch Flachwasserzonen, in denen die frisch geschlüpften Jungfische Schutz und Insektenlarven als Nahrung finden, gehen durch den Ausbau verloren. Dazu kommt, dass vorwiegend aus dem Bergbau große Mengen an salzhaltigen Abwässern eingeleitet werden, die das Ökosystem schädigen. Im Sommer 2022 trug das zu dem großen Fischsterben bei.

Die jetzt ausgesetzten Störe sind im Bruthaus der Blumberger Mühle in drei Monaten von einer nur wenige Millimeter großen Larve bis zu einem zehn Zentimeter großen Fisch gewachsen. „Die jungen Störe werden im Wasser des Flusses Welse aufgezogen, ein entscheidender Schritt zur Anpassung der Tiere an ihre zukünftigen Heimatgewässer, um sie fit zu machen für das Leben in freier Wildbahn“, erklärt Klaus-Peter Gensch.

Das IGB erfasst in den nächsten zwei Jahren Habitat-Defizite der Grenz-Oder und entwickelt Maßnahmen, um gewässertypische Lebensräume wiederherzustellen, die helfen sollen, die Bestände des Baltischen Störs dauerhaft zu sichern. Die Maßnahmen sollen mit bestehenden Konzepten zur Renaturierung der Grenz-Oder, wie Blaues Band Oder, verzahnt werden. Davon profitieren außer dem Baltischen Stör viele weitere Flussfischarten. 

Baltische Störe werden auch Atlantische Störe genannt. Sie ernähren sich hauptsächlich von Krustentieren, Borstenwürmern, Weichtieren, Nematoden und kleineren Fischen. Die Tiere können über vier Meter lang und mehr als 300 kg schwer werden. Beide Geschlechter erreichen ein Alter von bis zu 120 Jahren. Fossile Funde störartiger Fische reichen bis zu 190 Millionen Jahre zurück.

Im NABU-Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle wird es 2027 und 2028 Veranstaltungen rund um den Stör geben.
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