Berlin - Anlässlich der morgigen Abgabefrist für die Kommunalen Wärmepläne von Großstädten warnt der NABU davor, dass viele Städte planen, auf Holzkraftwerke als Ersatz für Gas und Kohle zu setzen. Damit würde absehbar mehr Holzbiomasse zur Energieerzeugung in Anspruch genommen, als naturverträglich zur Verfügung gestellt werden kann – zum Schaden von Wäldern und Klima. Dabei merken wir gerade in diesen Tagen, wie sehr wir Wälder als Klimaschützer und Klimaanlagen in der Landschaft brauchen.
Aktuell fehle der Politik ein Überblick, wie viel Holz für die Wärmeerzeugung tatsächlich verplant wird, mahnt der NABU. Bereits jetzt gibt es bundesweit rund 150 größere Holzheizkraftwerke, etwa 40 weitere sind geplant, wie eine Übersichtskarte von Biofuelwatch, NABU und ROBIN WOOD zeigt. Viele könnten noch hinzukommen, wenn weitere Städte im Zuge der Wärmeplanung auf die Verbrennung von Biomasse setzen.
Eric Häublein, Wärmewende-Experte beim NABU, erklärt: „Der Anteil von Holzbiomasse in den Wärmeplänen ist zwar gesetzlich begrenzt, aber die Grenze ist zu hoch. Wir sehen an verschiedenen Beispielen, dass enorme Holzmengen für die Verbrennung in großen Heizkraftwerken verplant werden.” So sollen etwa in Berlin langfristig die maximal erlaubten 15 Prozent der Fernwärme aus Holz kommen – dazu bräuchte es jährlich bis zu 1,6 Millionen Tonnen Holz. Neben Berlin setzen auch Hannover, Braunschweig, Nürnberg, Chemnitz, Kassel sowie Eberswalde und viele weitere deutschen Städte auf Holzkraftwerke. Kleinere Kommunen und Unternehmen kommen noch obendrauf. “Werden all diese Pläne umgesetzt drohen massive Klimaschäden und das Holz fehlt in der stofflichen Nutzung“, warnt Häublein. Dass Deutschland bei der Wärmewende nicht auf Holzverbrennung setzen sollte, bestätigt der Blick ins Nachbarland. „In Dänemark - das uns bei der Wärmewende Jahrzehnte voraus ist - steigen aktuell immer mehr Städte aus der Verbrennung von Holz in Heizkraftwerken aus und stellen stattdessen auf Großwärmepumpen um. Deutschland sollte Fehlinvestitionen vermeiden und das Geld gleich in wirklich klimafreundliche Wärmeerzeugung investieren statt in umweltschädliche Holzkraftwerke“, betont Häublein.
Der NABU fordert eine Nationale Biomassestrategie, ein umfassendes, transparentes Monitoring der verplanten Biomasse sowie einen gesetzlichen Vorrang für verbrennungsfreie Wärmetechnologien. Bei der Wärmewende sollte auf klimafreundliche Technologien wie (Groß-)Wärmepumpen und Geothermie gesetzt werden. Eine NABU-Bewertung der einzelnen Wärme-Technologien findet sich hier
Hintergrund Am 30. Juni endet für Städte mit mehr als 100.000 Einwohner*innen die Frist zur Abgabe eines Kommunalen Wärmeplans. Kleinere Kommunen haben noch zwei Jahre länger Zeit. Die Wärmeplanung legt den Transformationspfad auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045 für Städte und Kommunen fest und weist Gebiete aus für einen zentralen Anschluss an ein Wärmenetz oder für eine dezentrale, individuelle Lösung im Haus. NABU-Checkliste zur klimafreundlichen Wärmeplanung |